Carl Orff wurde am 10. Juli 1895 in München geboren. Er entstammte einer alten bayrischen Offiziers- und Gelehrtenfamilie. In Orffs Elternhaus wurde regelmässig musiziert. Der Vater spielte Klavier und verschiedene Streichinstrumente, die Mutter war ausgebildete Pianistin; sie vor allem erkannte und förderte die musikalische Begabung ihres Sohnes. Im Alter von fünf Jahren erhielt Orff die ersten Klavierstunden, zwei Jahre später folgte der Unterricht auf dem Violoncello, erste Versuche im Orgelspiel datieren aus dem Jahre 1909.
Er verliess vorzeitig die Schule um an der Akademie der Tonkunst in München Musik zu studieren. Orff empfand den Unterricht dort als konservativ. Im Selbststudium setzte er sich intensiv mit der Harmonielehre und den Werken Schönbergs sowie mit der Musik Debussys auseinander. Bis 1914 beteiligte er sich an den wichtigsten Strömungen der musikalischen Avantgarde. Unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs erkannte Orff die eingeschlagenen Richtung als Irrweg und wandte sich radikal davon ab. Alles drängte ihn zum Theater. Um sein Klavierspiel zu verbessern, nahm er ab 1915 privat Unterricht bei Hermann Zilcher, der ihn – nach kurzer Tätigkeit an der Hofoper – als Kapellmeister an die Münchner Kammerspiele vermittelte.
Ab 1919 wirkte Orff als freischaffender Komponist in München; in den folgenden Jahren bis 1931/32 fand er seinen persönlichen Stil. Orff wandte sich von der Musiksprache Strauss’ ab und studierte Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Bearbeitung einiger der bedeutendsten Werke Monteverdis, begonnen 1923/24 mit Orpheus, galten sowohl in aufführungspraktischer als auch in musikhistorischer Hinsicht als Pionierleistung und waren richtungweisend für die Herausbildung von Orffs musikalischer Sprache.
Im Zuge der Rhythmus- und Tanzbewegung gründete Orff 1924 zusammen mit Dorothee Günther, einer Gymnastiklehrerin, Graphikerin und Schriftstellerin, eine Ausbildungsstätte für Gymnastik und Tanz, die Günther-Schule in München. Der Komponist entwickelte dafür sein Konzept einer elementaren Musik, der Synthese aus Musik, Sprache und Bewegung. Von Sachs an aussereuropäische Musik und vor allem an deren Instrumente herangeführt, stellte Orff mit Hilfe des Cembalobauers Karl Maendler das später sogenannte Orff-Instrumentarium zusammen, das sowohl für das Schulwerk, als auch für sein Bühnenwerk von grundlegender Bedeutung war. Die Günther-Schule verstand er somit nicht nur in pädagogischer, sondern auch in kompositorischer Hinsicht als Experimentierwerkstatt.
Bislang in der Öffentlichkeit nur als Musikpädagoge und Spezialist für alte Musik wahrgenommen, gelang Orff der Durchbruch als Komponist erst mit der Uraufführung der Carmina Burana in Frankfurt a.M. 1937. Hier offenbarte sich sowohl in musikalischer als auch in dramaturgisch-szenischer Hinsicht der unverwechselbare „Orff-Stil“ in voller Ausbildung. Gegenüber dem Verleger distanzierte sich der Komponist dementsprechend von seinem Frühwerk. Carmina Burana fand keineswegs die ungeteilte Zustimmung der damaligen Machthaber.
Orffs musikalische Wurzeln sind weitgespannt: bayrisch-volkstümlich, antike Tragödie, szenische Kantaten, mittelalterliche Mysterienspiele, Barockoper, Oratorium.
Der Komponist war viermal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe stammt seine Tochter Godela. Orff starb am 29. März 1982 in München.
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