Olten
Stadttheater
23. & 24. Mai 2009

Das Werk "Carmina Burana"

„Fortuna hatte es mit mir gut gemeint, als sie mir einen Würzburger Antiquariatskatalog in die Hände spielte, in dem ich einen Titel fand, der mich mit magischer Gewalt anzog:

Carmina Burana
Lateinische und deutsche Lieder und Gedichte einer Handschrift
des XIII. Jahrhunderts aus Benediktbeurern herausgegeben
von J. A. Schmeller.“

So beschreibt Carl Orff in seiner Dokumentation die Entdeckung der Carmina Burana.

Wovon die Carmina Burana handeln? Ganz einfach vom Leben. Vom Leben als einem Schicksals- und Glücksrad: Immer in Bewegung, ein unvorhersehbares Auf und Ab der Lebensumstände und Gefühle.

Die drei Teile, aus denen das Werk besteht, werden kraftvoll umrahmt: von einem Prolog und einem Epilog, in denen der Chor – einleitend und beschliessend – die Glücks- und Schicksalsgöttin Fortuna als „Königin der Welt“ feiert.

Der erste Teil beschreibt, wie die Kräfte der Natur erwachen. Das Alltagsleben steht von diesem Moment an ganz im Zeichen des beginnenden Frühlings.

Im zweiten Teil berichten einzelne Charaktere von ihren Lebensfreuden und ihrem Leid: Komischer Höhepunkt ist der Auftritt des gebratenen Schwans, der sich verzweifelt seiner einstigen Schönheit und Erhabenheit erinnert - bis sich schliesslich die hungrige Meute auf ihn stürzt. Beim Saufgelage in einer Taverne gehen dann die letzten moralischen Skrupel über Bord.

Der dritte Teil ist dem sensibelsten Thema im Bereich menschlicher Gefühle gewidmet: der „Hohen Liebe“. Aber was steht am Ende: Erfüllung oder Illusion? – Bei Carl Orff bleibt die Frage offen. Das Schicksalsrad dreht sich weiter, und sicher ist dabei nur eines: Fortuna bleibt die „Königin der Welt“.


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